Von einem der auszog, das E-Bike (Pedelec) für sich zu entdecken,  und meint, hier davon erzählen zu müssen.

Der Weg zum Rad

Mein Weg zum E-Bike hat fast ein ganzes Jahr gedauert. Auslöser, sich mit dem Gedanken ernsthaft zu beschäftigen, war im Frühsommer 2016 ein Angebot meines Arbeitgebers zu einem Dienstrad/JobRad/BusinessBike-Leasing. Eigentlich eines dieser Steuersparmodelle, die ich nicht so mag (schließlich machen Steuern Sinn), kommt es mir hier zu pass. Ein neues Fahrrad war eh eine Frage der Zeit. Das alte 26″er hätte bei weiterer intensiver Nutzung größere Ersatzteilanschaffungen (Federgabel, kompletter Antriebszug, Lenker) erfordert. Und ein Pedelec sollte es sein, um einigen nicht mehr 100%igen Gelenken bei Bedarf Entlastung zu bieten, die Reichweite zu erhöhen, den Arbeitsweg zeitlich zu verkürzen und die Dusche vor Dienstantritt zu vermeiden.

Am Anfang stand die Frage, was für ein Rad und welcher Motor sollen es sein? Vorderrad, Mittelmotor, Heckantrieb? Nach Gesprächen mit Kollegen, die schon einige Antriebe durch hatten, und Recherche im Internet schieden Vorderrad- und Hinterradmotor mit und ohne Rekuperation aus. Zum Probe fahren vor Ort habe ich dann den YAMAHA-PW-Antrieb und das BOSCH-Portfolio von Active Line bis Performance Line CX getestet. Da ich zu dem Zeitpunkt bereits davon ausging, dass ich auch weiterhin mal ohne Motor fahren würde, lag mir der YAMAHA-Motor deutlich mehr. Ich hatte das Gefühl, der Widerstand an der Tretkurbel sei geringer als beim Bosch. Technisch gesehen scheint mir das einleuchtend, weil bei Bosch die Tretkurbelumdrehungen permanent mit einem Getriebe (i = 2,5) auf das vordere Kettenblatt übersetzt werden. Außerdem fand ich die Option, vorne zwei Kettenblätter zu haben, spannend – und die gibt es mit dem YAMAHA. Angesichts des Markenangebots blieben damit Räder von Winora, Haibike und Giant übrig. Ach ja, in der Tat fahre ich mit dem E-Bike weiter etliche Strecken ohne Motorunterstützung – meine Anfangsüberlegung traf also zu.

Die zweite Frage war, wofür brauche ich das Rad? Für den Weg zur Arbeit (befestigte Straßen und Radwege), gelegentliche größere Touren (gemischter Untergrund) und abends oder am Wochenende ein Ründchen durch den Wald, war meine Antwort. Da sollte doch eines dieser »Cross-Bikes« passen. Nach Wälzen der Kataloge schien mir ein Haibike SDURO Cross 5.0 zur ersten Wahl zu werden. Ich muss zugeben, die Optik war daran nicht unschuldig: Die kantige Form und die türkisen Farbakzente hatten es mir angetan. Und dann kam der Tag der Wahrheit – eine Kreuz-und-Quer-Tour durch den Wald mit meinem Sohn (MTB-Fahrer). Zu dieser Zeit hatte ich schon fleißig den Weg zur Arbeit mit meinem 25 Jahre alten Rad erprobt. Aber hier im Wald wurde mir klar, dass für solche Touren eigentlich ein Allmountain-Fully her müsste. Uups, die lagen im Preis aber jenseits dessen, was ich bereit war zu opfern. Und mit kühlem Kopf betrachtet: 2/3 Drittel der Fahrten – so rechnete ich mir vor – seien zur Arbeit, der Rest »for fun« und davon wiederum nur ein Teil auf harten Single-Trails. Und dafür 1500 € mehr? Kopf über Bauch – also nein!

Im April 2017 hatte ich meine Entscheidung klar: Ein Hardtail-MTB mit YAMAHA-Motor und zwei Kettenblättern vorne von HAIBIKE sollte es sein. Trotz 200 € Differenz habe ich dem größeren 500-Wh-Akku den Vorzug gegeben. Und Anfang Mai war die ganze Anschaffung binnen 48 h von Leasing-Antragstellung bis zur Abholung abgewickelt (Händler, Arbeitgeber und Leasing-Partner waren super vernetzt). Jetzt acht Wochen später, wo ich dies schreibe, sind über 800 km auf dem Tacho. Mit so viel hatte ich nicht ernsthaft gerechnet.

Na ja, und das Zusammensammeln des ganzen Zubehörs ist eine Geschichte für sich.