Von einem der auszog, das E-Bike (Pedelec) für sich zu entdecken,  und meint, hier davon erzählen zu müssen.

Der Ederradweg – einmal von oben nach unten

Zum Ende der Sommerferien 2017 bin ich mit meinem Sohn auf »Männer-Radfahr-Camping-Tour« gegangen. In vier Etappen sind wir die Eder von der Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung in die Fulda kurz vor Kassel gefahren. Insgesamt 188 km bei drei Übernachtungen auf sehr unterschiedlichen Campingplätzen standen am Ende im Tourbuch. Wir hatten wunderbares Wetter, haben gut durchgehalten und Spaß dabei. Fazit aus Pedelec-Sicht: Die gesamte Strecke (tendeziell bergab) wurden an den Steigungen und mit dem Campinggepäck (Zelt, Isomatten, Kochausrüstung und persönliche Sachen) nur 54% Akkukapazität gebraucht. Das Ladegerät hätte zuhause bleiben können.

Los ging die Tour an einem späten Sonntagvormittag auf dem Wanderparkplatz am Forsthaus Hohenroth auf den Höhen des Rothaargebirges. Der gute Geist des Hauses hat uns mit Rad, Sack und Pack dorthin gebracht. Von dort war es noch etwa ein Kilometer zur Ederquelle. Es ging zunächst auf guten Wald- und Feldwegen durch ein malerisches Tal Richtung Erndtebrück und weiter an Bad Berleburg vorbei bis zum Campingplatz in Dodenau. Eindrucksvoll und laut war ein Traktor-Pulling-Event bei Berghausen, an dem der Radweg unmittelbar vorbei führte.

Nach der schönen, ca. 60 km langen Tour kam dann mit dem Campingplatz in Dodenau die Ernüchterung. Wir hatten einen schönen Platz auf der Zeltwiese direkt am Fluss. Aber die sanitären Anlagen ließen, vorsichtig ausgedrückt, sehr zu wünschen übrig. Nur zwei von vier Toiletten nutzbar (eine schien eine Kinder-WC-Schüssel aus dem Kindergarten zu sein), der Boden mit Blättern und Mitbringseln von draußen übersät, Spinnweben in allen Ecken, nur ein Waschbecken. Wie gut, dass ein Teil der sanitären Geschäfte im benachbarten Restaurant »Zur Hobe« beim ganz passablen Abendessen a la carte erledigt werden konnten.

Als Campinganfänger war die Nacht etwas unruhig. Das Plätschern des Flusses und die hohen Temperaturen haben ein schnelles Einschlafen verzögert. Mit offenem Schlafsack und Stöpseln in den Ohren hat es dann gegen Mitternacht doch geklappt. Entsprechend gerädert haben wir den nächsten Tag begonnen. Ziel war nach etwa 50 km der Campingplatz Asel-Süd auf Höhe der Mitte des Edersees. Die Fahrt war abwechslungsreich mit einem schönen Frühstück in Battenfeld, geteerten Abschnitten und gut verfestigtem Untergrund teilweise auf einem früheren Bahndamm. Nur der Edersee war weg. In Asel kam die alte Brücke zum Vorschein.

Der Campingplatz hat uns um Klassen besser gefallen, mit einem ruhigen Plätzchen auf einer großen Wiese und sauberen WC- und Duschanlagen. Und da ein kleiner Bauernhof angegliedert war, gab es mit Ziegen, Hühnern und Pfaue auch etwas zu gucken. Die Aufnahme war außerordentlich freundlich, wir fühlten uns gleich willkommen. Leider war der Minimarkt schon zu, und montags hat die Gaststätte Ruhetag. Gut, dass noch ein paar Nudeln mit Sauce in der Packtasche waren.

Der dritte Tag begann nach einer weitaus besseren Nacht mit der Fahrt am Edersee entlang. Irgendwann war auch wieder so etwas wie ein See zu erkennen. Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns für zwei Stunden um die Mittagszeit ein Segelboot gemietet (schön war’s). Anschließend ging es weiter an der Staumauer vorbei hinab ins Edertal, wo wir in einem Biker-Restaurant (Zündstoff) einen leckeren Burger essen konnten. Durch die Segelei hatten wir die Etappe mit etwa 35 km kürzer gewählt. Das Tagesziel war der Campingplatz in Mandern. Alles sauber, ruhig, nur leider kein Restaurant oder Gaststätte in unmittelbarer Nähe geöffnet. Also Resteverwertung aus der Packtasche.

Der letzte Tag führte uns bei prallem Sonnenschein über knapp 40 km durch weite, staubige Felder. Die Eder war oft nur von Brücken aus zu sehen, die uns von einer auf die andere Seite des Flusses geleiteten. Das Ziel Edermünde bei Grifte hatten wir dann so früh erreicht, dass wir beschlossen, auf ein ausgiebiges Mittagessen zu verzichten und lieber einen Zug früher die Heimreise anzutreten. Die Züge waren aber reichlich voll, und wir hatten unsere liebe Mühe, Plätze für uns und die Fahrräder zu finden. Im zweiten Zug mussten wir sogar eine gute Stunde stehen.

Alles in allem – bis auf den Campingplatz in Dodenau – war es eine sehr schöne, empfehlenswerte Tour. Wir haben unsere ersten Campingerfahrungen gemacht und würden so eine Fahrt wieder machen. Ich weiß nun, dass ich bis 200 km bei Flussabfahrten wohl kein Ladegerät mitnehmen muss (wichtig für die für 2019 geplante Taubertour). Übrigens hat der TEASI auf dieser Tour glänzen können. Nur einmal gab es eine Unklarheit, die uns etwa 300 m in den falschen Weg fahren lies. Und nun noch die Links zum Video, zum Roadbook für die Lenkertasche und die GPX-Dateien für die vier Etappen zum Nachfahren. Viel Spaß!

Roadbook

GPX – Etappe 1
GPX – Etappe 2
GPX – Etappe 3
GPX – Etappe 4